RENAULT Club HOLLYWOOD

1. RENAULT CLUB SAARLAND

Reisebericht über eine 6-Tage-Frankreich-Tour mit dem Oldtimer (August 1999)

● Besuch beim Konstrukteur des Roadsters SunCar Kamouh in Clermont Ferrand ●
● Auvergne "Route des Fromages" - fruchtbare Vulkanlandschaften ●
● Bordeaux-Weinstraßen ● Loire-Schlösser ● Champagne ●

Wir hatten uns viel vorgenommen, mein Beifahrer Rolf und auch ich, der stolze Besitzer des SunCar Kamouh Roadster, dem einzigen Modell von ehemals 150 Stück Handarbeits-Autos, welches alltagstauglich jetzt noch auf unseren Straßen tourt. Wir wollten unbedingt noch Spuren entdecken, direkt an der Geburtsstätte unseres Roadsters in Clermont-Ferrand selbst, im französischen Zentralmassiv. Denn dort, so hatte man mir versichert, lebe der Konstrukteur meines seltenen Fahrzeugs und betreibe jetzt dort mit seinen Söhnen ein gut florierendes Automobilgeschäft, vorwiegend im Bereich Handel und Veredelung von vielen Spitzen-Automarken im riesigen Industriegebiet von Clermont-Ferrand. Wir waren gespannt, denn der Vorbesitzer meines Oldtimers, der das Fahrzeug ehemals direkt aus dem französischen Zentralmassiv hierher ins Saarland gebracht hatte und den Konstrukteur persönlich bestens kennt, hatte mir den Gefallen getan und unser Eintreffen mit "seinem" SunCar bei ihm telefonisch angekündigt. Es sollten tolle Tage werden dort in Frankreich während der gesamten Tour. Denn vorweggesagt, die überwältigende Gastfreundschaft im Nachbarland bis tief ins Landesinnere und gar bis zum Atlantischen Ozean und auch überhaupt in allen Gebieten, die wir durchfuhren, ließ uns manchmal sprichwörtlich fast nicht mehr los.


So wird er immer bewundert, der SunCar mit der Seriennummer 121 von 150 Stck.

An einem schönen Augusttag verstauten wir zwei vollbepackte Reisetaschen im Roadster hinter den beiden Sitzen, verzurrten noch zwei kleine Hartschalenkoffer auf dem Heckträger und stopften noch vorsichtshalber etwas wärmende Kleidung -die wir aber nicht benötigten- in die knapp verbliebenen Lücken im Innern des Flitzers. Kleine Reiseverpflegung in flexiblen Kühlbeuteln griffbereit verstaut, das Auto auf Hochglanz gebracht, ging´s, die Reiseroute mittels eines PC-Programmes detailliert vorbereitet, mit offenem Verdeck am frühen Morgen bei bereits hervorschauender Sonne aus dem Saarland ab in Richtung Frankreich. Die Strecke war wieder so gewählt, dass Autobahnen von uns gemieden wurden. Erstens sparten wir die lästigen hohen Gebühren in Frankreich, zweitens hatten wir dadurch viel mehr von der sicherlich schönen Landschaft. Und letztlich tat es unserem Oldtimer immer gut, schonend und doch flott über gut ausgebaute Landstraßen bewegt zu werden. Wir hatten immerhin wieder eine große Route von voraussichtlich insgesamt 2300 KM geplant. Unnötige Pannen, durch leichtfertiges Strapazieren des alten Roadsters, wollten wir unbedingt vermeiden und konnten sie uns auch bei der knapp vorgegebenen Reisezeit von maximal 1 Woche zeitlich nicht leisten. Viel Gutes hatten wir gehört über Frankreichs hervorragende Straßen aller Kategorien und konnten, vorweggesagt, die gesamte Reise tatsächlich ohne einen einzige Kilometer Autobahn, ohne Stau und Drängelei, so richtig genießen.

Bei Saarbrücken verließen wir das Saarland und fuhren über die Grenze Richtung Nancy über Forbach auf der N3, bei Saint-Avold auf die D20, bei Baronville auf die N74 bis Nancy. Dort ging's weiter über schöne Kreis- und Landstraßen auf der N974, dann bei Neufchateau auf der D74 bis Langres, wo die gut ausgebaute Straße dann als N74 über Dijon bis Beaune führt. Wenige Kilometer auf der D974, Wechsel auf die N70 bis Paray-Le-Monial, bei Digoin auf die E62 Richtung Clermont-Ferrand, wo wir schon bald am Horizont erste Erhebungen des französischen Zentralmassiv´s entdecken konnten. die Landschaft veränderte sich schlagartig und man hatte das Gefühl, Richtung Clermont-Ferrand ging's Richtung Deutschen Alpen. Immer Richtung Berge nun über die D772 hinein in die Stadt Clermont-Ferrand. Nach 565 gemütlich gefahrenen Kilometern in knapp 7 1/2 Stunden Fahrzeit erreichten wir die tolle Stadt. Später Nachmittag war's geworden. Und bevor wir im Industriegebiet der Großstadt den Konstrukteur des Roadsters treffen wollten, sollte uns doch noch eine ausgiebige Nachtruhe auf einen sicherlich anstrengenden weiteren Tag vorbereiten. Ein wenig kreuz und quer durch die Innenstadt, um sich ans Stadtbild ein wenig zu gewöhnen, dann Richtung Stadtrand, wo wir zufällig im Außenbezirk von Clermont an einer Ausfallstraße ein kleines Hotel entdeckten, das uns wegen seines versteckten Parkplatzes zusagte. Die Hotelbesitzerin, wie sie sich vorstellte, war auch gleich von unserem "Automobil" sehr angetan, führte uns nach kurzem Gespräch (französisch-deutsch-Mix) ins Nebengebäude, wo wir ein schönes und äußerst preisgünstiges Zimmer beziehen konnten. Abendessen mussten wir jedoch in der Stadt einnehmen und fuhren dann auch sofort los, um dort in einem Steakhouse so richtig unseren Hunger zu stillen. Viel Lust zu einer Stadtbesichtigung hatten wir an diesem Abend nicht mehr und fuhren zum Hotel zurück, wo wir unseren kostbaren Roadster im Hinterhof unter unserem Hotelfenster in einer Hausecke gut versteckt abstellten. Eine ruhige Nacht mit gutem Schlaf bescherte uns am nächsten Morgen früh bereits das Wecken durch Hahnekrähen und wies uns darauf hin, dass wir doch einige Kilometer außerhalb der Großstadt in einem ländlichen Randbezirk Quartier bezogen hatten. Nach einer erfrischenden Dusche packten wir eiligst unser Gepäck in den Roadster und begaben uns zum reichhaltigen Frühstück, wo natürlich wieder unser exotisches Fahrzeug mit dem RENAULT-Emblem daran Thema Nr. 1 bei allen anwesenden Gästen war. Vor der Abfahrt noch einige obligatorische Fotos von uns und unserem Auto im Hinterhof, und ab ging´s Richtung Industriegebiet nach Clermont-Ferrand. Diese riesige Industriefläche, die einem fast wie eine eigene Stadt vorkam, durchfuhren wir mehrmals, bevor wir das große gesuchte Autohaus fanden, dessen Eigner früher unseren SunCar hier in Clermont-Ferrand konstruierte und auch mit seiner kleinen Crew in Handarbeit gebaut hatte.

BREZET AUTOMOBILES, M. Michel Casas, so firmiert das heutige Unternehmen des leidenschaftlichen und in Frankreich überall bekannten Automobilspezialisten. Dass er überall so gut bekannt ist, erfuhren wir bei vielen Gesprächen auf der weiteren Fahrt durch Frankreich, wo immer wieder die Sprache auf ihn kam. Ich lenkte den Roadster ins Firmengelände, und wir fanden uns gleich vor dem großen Bürogebäude des Autohauses und der Fabrikation. Autos über Autos, so weit unsere Blicke schweiften, alle möglichen Fabrikate, französische, deutsche, skandinavische, italienische und auch englische Top-Fahrzeuge standen da, auf Hochglanz gebracht, nach Fabrikaten geordnet. Die einzelnen Hallen und Parkflächen waren voll gestopft mit Edelkarossen.
Als wir vorm Bürogebäude ausstiegen, stand direkt hinter unserem Fahrzeug ein zunächst strahlender, dann herzhaft lachender Mann, der unser Auto bestaunte, als sehe er es zum ersten mal. Später wussten wir dann, dass er, Michel Casas, eigentlich bereits mehrere Tage auf uns gewartet hatte, er durch den kernigen Motorklang des Roadsters aufmerksam geworden war und eiligst nach einem Blick aus dem Bürofenster nach außen kam, um uns freudigst zu begrüßen. Sein Gesicht war uns von früheren Fotos bekannt. Sicherlich war er nicht mehr der ganz junge Auto-Freak der früheren Jahre. Doch jung geblieben und ein Lachen um die Mundwinkel, verlieh ihm eine direkt sympathische Ausstrahlung.

Nach herzlicher Begrüßung, dem ersten näheren Begutachten unseres Roadsters durch "seinen Konstrukteur", lud er uns direkt in die Büroräume ein, wo vieles, Bilder und sonstige kleine Kostbarkeiten, auf die ehemalige Fabrikation seiner kleinen Serie der SunCar Kamouh-Roadster hindeutete. Man merkte ihm an, dass er auch heute immer noch mit Leidenschaft an diese Zeiten zurückdenkt und bei seinen Erzählungen ins Schwärmen kommt. So viel Französisch verstanden wir dann auch, blitzende Augen und stetes begeisterndes Lachen, da braucht es keiner perfekten Fremdsprache. Man verstand sich sofort. Inmitten einer Ausstellungshalle wurden wir zu einem ganz besonderen Platz geführt. Da konnten wir einen SunCar Kamouh aus der damaligen Zeit in "Rohform" bestaunen, der in luftiger Höhe dekoriert war. Er sah aus, als sei er kurz vor der Lackierung, aber eben ist er nur ein so genanntes Denkmal für seinen Konstrukteur, auf das er ganz stolz ist.

Ein Rundgang durch die Firmenhallen schloss sich an, und man konnte in mehreren abgeteilten Werkstätten eifrige Monteure und Autoveredler bei ihrer Arbeit an allen möglichen Fahrzeugen sehen. Im Büro wieder wurden wir mit herzlichen Worten, teils in Deutsch, teils Französisch und ein wenig Englisch, nochmals herzlichst willkommen geheißen. Irgendwie verstand man sich immer. So einfach und unkompliziert geht es in der Autobranche bei leidenschaftlichen Freaks international halt zu. Casas telefonierte eifrig und hatte offensichtlich was ganz Besonderes vor. Kurzfristig trafen daraufhin alle Familienmitglieder des Konstrukteurs ein. Freunde wurden benachrichtigt und trafen nacheinander ein. Offizielle waren plötzlich da, Presse und weitere Medien bestürmten außen den Roadster., der natürlich chromblitzend vor sich hin glänzte. Man konnte es offensichtlich dort kaum fassen, dass dieses früher hier gebaute Auto nach so vielen Jahren immer noch aussah, als hätte es gerade erst die Fertigung verlassen. So schrieb mir dann auch Michel Casas, der "Vater des Roadsters", an diesem Tag auf ein Dokument in seiner Landessprache: "ER IST SCHÖNER ALS AM ERSTEN TAG" und versah diesen Satz mit seinem Autogramm. Er erklärte uns und den vielen Anwesenden, dass er glücklich sei, ein von ihm vor so vielen Jahren selbst konstruiertes und auch gebautes Auto in einem solchen Spitzenzustand wieder zu sehen, jetzt noch schöner und mit noch mehr Chrom aufgewertet.

Am Mittag wurde gemeinsam ein großes Essen von Monsieur Casas gegeben, wozu er uns und seine Freunde und alle Gäste dann spontan eingeladen hat. Detaillierte Ausführungen über diesen schönen Mittag in einem privaten Club sollte man sich hier an dieser Stelle ersparen. Kurz gesagt; es waren wunderbare Stunden zusammen.

Doch, überwältigt von so viel Gastfreundschaft, so viel Herzlichkeit und so viel Entgegenkommen, mussten wir uns auch an diesem Tag einmal verabschieden. Einige kleine Geheimnisse und seine eigenen Erfahrungen mit dem SunCar Kamouh gab er mir als stolzem Besitzer mit nachhause. Eigentlich sollten wir nach seinem Wunsch noch ein paar Tage dort bleiben, so nett war die Begegnung bisher verlaufen. Aber wir mussten doch endlich weiter, zu groß war noch unser Vorhaben durch Frankreich. Zum Abschied hatte Konstrukteur Casas noch eine dicke Überraschung bereit. Aus seinem Büro brachte er die letzte noch bei ihm vorhandene originale Kühlerfigur aus Chrom mit zu unserem Fahrzeug und schenkte sie mir mit dem Hinweis, dieses wichtige Teil (das andere am Fahrzeug wurde mir gestohlen) solle unbedingt wieder den Kühler meines Roadsters zieren. Damit hatte ich natürlich nicht gerechnet und war überglücklich, da ich niemals sonst wieder an dieses Teil gekommen wäre. Auch ein Sohn von Monsieur Casas brachte ein originales, noch in Rohfassung befindliches Holzarmaturenbrett eines SunCar und bat, es als Erinnerung doch mitzunehmen und ihm einen ordentlichen Ehrenplatz in unserer Werkstatt zu geben. Zwar musste ich dieses wertvolle handgearbeitete über 1 Meter große Stück auf unserem Heckgepäckträger in Folie eingepackt mühsam verstauen, doch es begleitete uns letztendlich bei unserer gesamten Rundfahrt durch ganz Frankreich und kam zuhause unversehrt an.
Herzliche Abschiedsworte von allen und die Zusage, sich doch bald wieder einmal zu sehen, so verließen wir dann unsere neu gewonnenen Freunde aus Clermont-Ferrand Richtung Westen. Zunächst wollten wir noch ein wenig von der Hauptstadt der Auvergne optisch noch mitbekommen, doch in dem allzu dichten Straßenverkehr wart dies kaum möglich. Schade eigentlich, denn diese Stadt hat allerhand Sehenswürdigkeiten aufzuweisen und eine lange sagenhafte Geschichte. Bereits ab dem Jahre 1832 gründete sich dort eine mit dem Feuer verbundene Industrie, aus der später die Auto-Freaks bekannte "Michelin-Manufaktur" hervorging und Michelin von der Entstehung an bis heute begleitete. Vieles kann man in den unzähligen Museen und Kirchen, Domen und weiteren historischen Gebäuden und Einrichtungen heute noch nachlesen und als Hinterlassenschaften auch sehen. Die Industrie ist dort geblieben, die Schönheit und Seltenheit der Umgebung von Clermont-Ferrand mit seinen Bergen (Puy`s), seinen Höhlen, den erloschenen Vulkanen und seiner einmaligen Landschaft wird stets Fremde immer wieder begeistern. Abends, wenn die Sonne den Himmel über den Bergen blutrot gefärbt hat und in der Dunkelheit beim Blick auf die Stadt gespenstische Lichter auftauchen, Lichspritzer sprühen, nach allen Seiten aufblitzen, über die Landschaft ziehen; dann sinniert der Fremde darüber, wie es ganz früher zu Zeiten lebender Vulkane hier wohl gewesen sein mag. Aber heute entpuppen sich die gespenstischen Lichter bei genauerem Hinsehen als banale Ampeln, Reihen von Straßenlaternen und beleuchteten Fenstern Und doch ist es halt einmalig. Man muss es einfach gesehen und erlebt haben.
Es gäbe für den Besucher noch vieles zu sehen. Den ganzen Sommer über Festival nach Festival, ein umfangreicher vielfältiger Veranstaltungskalender. Doch auch die Umgebung des heutigen Clermont-Ferrand bietet ein Ambiente, das geradezu zum längeren Verweilen einlädt. Der Durchreisende wird sich wohl noch auf die herrliche Landschaft westlich der Stadt konzentrieren. Dort geht das weite Land in mehr bergige Abschnitte über, wobei man als erstes auf den Puy-deDome Stößt, dessen höchster Punkt 1464 m ü.M. misst. Er überragt die Landschaft majestätisch und ist ein beliebter Ausflugspunkt. Täglich mehrere tausend Besucher pilgern zu Fuß gegen die Höhenzüge, um den herrlichen Fernblick zu genießen. Bergwandern durch die Vulkanlandschaften und auch Hanggleitfliegen sind beliebte Beschäftigungen hier. Weitere mittlere Erhebungen mit dazwischenliegenden sehenswerten, begehbaren Schluchten, eigentlich alles erschlossene Wanderwege um Clermont-Ferrand herum sind Puy des Banson, Puy des Sancy, Puy de Verriéres, Pui de Montchal, le Mont-Dore, la Banne d`ordanche, Col de Goules. Sehenswerte Schlösser und alte gut erhaltene Bauten, z.T. 500-600 Jahre alt, viele schön an den Hängen um die Stadt liegend, sind überall gut gekennzeichnet und leicht zu finden. Spezielle Aussichtspunkte, wie vor allem der Ponte du Chateau und auf der anderen Seite der Stadt der Pontgibaud, ermöglichen einen weiten Ausblick über die Landschaft mit ihren baulichen Kostbarkeiten.
Seen, sie sind wirklich die Augen der Auvergne und alle sind sie vulkanischen Ursprungs, teils entstanden durch Anstauen mittels ehemaliger Lavaströme, teils durch Auffüllen eines Kraters. Am Seeufer mag der Einheimische gerne picknicken, der Urlauber sich sonnen. Doch zum Baden geht mann hier kaum, denn das stets kühle, ja fast eisige Wasser hält davon ab.

Wir selbst fuhren dann weiter, suchten noch kurz einen Weg hinauf zum Puy-de-Dome, fanden aber alle Parkplätze am Fuß des Berges überfüllt mit den Fahrzeugen der vielen Besucher der Bergregion.
Weiter gegen Westen fuhren wir dann auf einer kleinen nebenstraße zwischen Feldern, kleinen Weinbaugebieten und versteckt liegenden Wochenendgrundstücken immer an den Berghängen vorbei Richtung Brive-La-Gallarde. In einem kleinen Waldstück etwa 10 KM westlich der Stadt an der hervorragend ausgebauten schmalen Landstraße trafen wir auf einen heftig nach uns winkenden Mann. Wir hielten an und wurden in holperigem Deutsch von ihm angesprochen wegen unseres schönen Fahrzeugs mit dem deutschen Kennzeichen. Sogleich lud er uns überschwenglich ein, bei seiner Familie im nahegelegenen Chalet eine Kleinigkeit zu essen und zu trinken. Dort fanden wir dann wieder die unermüdliche Gastfreundschaft. Die gleich um uns versammelte Familie, angerufenen Freunde und Bekannte, der Bürgermeister einiger kleiner Dörfer und auch seine Freunde vom Rat, alle versammelt auf der Terasse des kleinen Häuschens mitten im Wald. Allerlei Leckereinen wurden gereicht und machten Appetit. Vom Ziegenkäse über Schinken, Obst, Selbstgebackenes und natürlich wieder, wie überall in dieser Region, Champagner, Champagner und wieder Champagner. Wir aßen und tranken mit ihnen bis in den Abend. Wir konnten uns einfach den freundlichen Menschen dort nicht entziehen, die dann als Höhepunkt am Abend bis spät in die Nacht in einer nahe gelegenen Auberge ein extra Fest für uns gaben, wobei sogar Musikanten auftraten und die Gesellschaft unterhielten. Freundlicherweise "besorgte" man uns "bei Freunden von Freunden" (fast wie zuhause im Saarland) auch eine gute Übernachtungsmöglichkeit und beförderte uns auch dorthin. Ein toll eingerichtetes Fremdenzimmer wurde für uns kostenlos hergerichtet, und frühmorgens nach einer kurzen Nacht trafen wir uns am kleinen Dorfbrunnen, wo unsere neu gewonnenen Freunde uns mit Dorfbewohnern auf die Weiterreise verabschiedeten, nicht ohne uns zuvor natürlich mit allerlei Essbarem zu versorgen. Schaden, dass wir einfach weiterziehen mussten. Diese schöne Landschaft mit seinen freundlichen und herzensguten Menschen hätte es unbedingt verdient gehabt, noch einige Tage hier zu verweilen. Wir schworen uns aber: Hierher fahren wir alsbald einmal wieder.

Unser Roadster wurde nun aber endlich gegen Bordeaux bewegt. Auf der N89 ging´s im Eiltempo bei herrlichem Sonnenschein und Temperaturen so um die 30° C mit offenem Verdeck dem Atlantischen Ozean entgegen. Über Brive-La-Gaillarde, Perigueux und Liborne erreichten wir nach gut dreistündiger flotter Fahrt die riesigen Weinbaugebiete um Bordeaux. Weinreben, so weit man sehen konnte, dies gut noch eine Stunde Fahrzeit lang. Dann kam die Anfahrt auf die Großstadt Bordeaux. Gut ausgebaute Schnellstraßen bis hinein ins Stadtzentrum, vorbei an alten Hafenmauern bis hin zum kleinen Kriegshafen an der Garonne, wo man direkt mit dem Fahrzeug bis an die Kai`s fahren kann.  Zunächst kreuzten wir noch etwa eine Stunde durch die belebte Innenstadt, um uns etwas zurechtzufinden. Schließlich kommt man ja nicht jedes Jahr ins berühmte Bordeaux. Vom Stadtzentrum aus führen fast alle Straßen wieder zum Hafen entlang der Garonne. Ein altes ausgemustertes Kriegsschiff hatte es uns angetan. Riesig türmten sich die Aufbauten vor einem auf. Wir stellten unseren Roadster geschickt am Kai ab, so dass wir ein paar tolle Fotos dort schießen konnten. Auch die Gebäude der Altstadt von Bordeaux gaben einen herrlichen Hintergrund für unsere Fotoserie. Schade, dass wir uns auch hier nicht länger aufhalten konnten. Unsere Absicht war es, auf der Atlantikseite ein Stück entlang der Gironde zu fahren, wo sich natürlich auch beiderseits der Straßen riesige Weinbaugebiete aneinanderreihten. Wir fuhren über Blanquefort die Hauptstadt hinaus Richtung Macau, über Margaux bis Lamarque. Hier sahen wir gleich den Hinweis auf die Autofähre über die Gironde auf die östliche Seite nach Blaye, einer alten Stadtfestung. Die an diesem Tage letzte Fähre konnten wir soeben noch erreichen und kamen trotz großer Bedenken (Schwanken und sicher Überladung der Fähre) am anderen Ufer nach halbstündiger Überfahrt an. Man merkte doch, dass der Atlantik  ganz nah war und Wind und Wellen mit aller Macht auch durch die Gironde zurück ins Landesinnere drückten. Aufgewühltes Wasser, trotzdem eine glückliche Überfahrt ins uralte Seeräuber-Städtchen Blaye. Dort hielten wir uns nicht lange auf, da bereits wieder die Abenddämmerung einsetzte und den Himmel am Horizont fast blutrot färbte, ein sicheres Zeichen auf einen weiteren schönen Sonnentag. Schnell Richtung Landesinnere, immer wieder zwischen den Weinbergen hindurch ging`s dann über Montendre nach Barbezieux, einem ganz interessanten Städtchen, wie wir an den uralten gut erhaltenen Gebäuden gleich feststellten. Hier suchten wir und fanden auch gleich nach einigem Rückfragen das einzige Hotel der Stadt zum Übernachten zum ganz kleinen Preis.  Natürlich sollte unser Oldie auch gut untergebracht sein, und so ergab es sich, dass wir den Wagen wieder direkt unter dem sogleich bezogenen Hotelzimmer sicher abstellen konnten. Nach einem guten französischen Abendessen (den Einheimischen auf dem Teller abgeschaut) ganz nach Art der Region unter mächtigen Kastanienbäumen in der Außenanlage des Hotels, einem guten Flächchen Margaux als Schlaftrunk, fielen wir müde in unsere Kissen des nicht gerade komfortablen Hotelzimmers. Doch es genügte uns zum Ausschlafen und war supergünstig.
Am frühen Morgen ein original französisches Frühstück in der "Hotelbar", ein paar obligatorische Fotos von uns und unserem stets umlagerten Roadster, und weiter ging´s über Angouleme Richtung Poitiers, immer auf der N10, meist autobahnähnlich toll ausgebaut, oft kilometerweit geradeaus. Links und rechts der Straße grüne Mischwälder, die sich mit riesigen Getreidefeldern, Obstplantagen und weiteren Weinbaugebieten abwechselten. Eine tolle Landschaft, nur leicht hügelig und weit, weit von der Straße her zu überblicken. Überall kleine Seen und Weiheranlagen mit angestauten Bachläufen, wo Angler ihrem Hobby nachgingen. Poitiers umfuhren wir, wobei es leider aus Zeitgründen nicht möglich war, auch diese berühmte Stadt mit ihren schönen Außenbezirken näher in Augenschein zu nehmen. Die N10 führte uns weiter über Chatellerault Richtung Tours. Doch bevor wir direkt ins Loire-Gebiet fuhren, besuchten wir noch auf halber Strecke ein paar schöne alte Dörfer und Ansiedlungen, die sich scheinbar mit ihren alten Kirchengemäuern seit dem 14. Jahrhundert kaum verändert hatten. Man hatte uns den Besuch dieser kostbaren Sehenswürdigkeiten während unserer Fahrt immer wieder ans Herz gelegt. Und wir waren nicht enttäuscht. Sensationell, dass man hier wohnen konnte. Unsere Fotogeräte waren ständig in Aktion.

Bei Ste.Maure-de-Touraine verließen wir die N10, um etwas mehr von den Sehenswürdigkeiten im Hinterland mitzubekommen und fuhren über die N760 bis Chinon am Flüßchen Chienne. Viele Gebäude wie Kirchen, Stadtmauern Kapellen und Begräbnisstätten aus den Zeiten des 14. Jahrhunderts faszinierten uns ob der guten Erhaltung. Auch die Häuser und Wohnungen, z.T. einfachste Unterkünfte, schienen uns uralt und sahen oft aus, als seien sie nicht mehr bewohnt. Doch Leben überall, wenn man etwas genauer hinschaute. Weinbau, Obst und Getreide ernähren hier die meist bäuerlichen Kleinbetriebe und Familien. Die Welt schien hier vor hunderten von Jahren einfach stehen geblieben zu sein. Eine fast unheimliche und doch entspannte Ruhe lag über dieser Ebene mit ihren sie umgebenden sporadisch auftauchenden Felsgruppen. Hier fanden wir uns mit unserem Roadster eigentlich fehl am Platze und störten die idyllische Ruhe anscheinend. Doch etwas abseits der Straßen, stets auf kleinen Anhöhen gelegen, lagen versteckt die Villen der reichen Weinbauern mit ihren Höfen und Nebengebäuden, wo Keltereien und Weinkeller meist im mächtigen Fels untergebracht waren. Dort sah man dann auch weitere Reichtümer aus der heutigen Zeit, nämlich gut versteckt tolle Autos, Oldtimer und auch neuzeitliche fürstliche Karossen. Hier vor den Felsenkellern im Freien und auch in den Gängen und hallenähnlich ausgebauten kühlen Räumen des Berges wurden die Gäste mit allerlei einheimischen Köstlichkeiten bedient und selbstverständlich auch zum Kauf der hervorragenden und kostbaren Weine aus dem Touraine-Gebiet animiert. Überall Hinweise bereits auf die etwas von der Straße abseits liegenden Burgen und Schlösser. Wir bemerkten es beim Studium der Landkarte, es ging Richtung Loire, wo Frankreichs schönste Fürsten- und Königsschlösser sich fast wie an der Schnur aufgereiht, als Attraktionen anboten. Und dort wollten wir schnellstens hin, zuviel hatten wir immer von den "Loire-Schlössern" gehört. Jetzt waren wir fast da und wollten diese Monumente endlich selbst erleben.

Wir hielten uns Richtung Tours, wo wir bereits nach etwa einer Stunde Fahrzeit in die Stadt hineinfuhren. Recht und links am Ufer der Loire entdeckten wir gleich alte Gemäuer, Reste von kleinen alten Festungen, die uns magisch anzogen, um als Hintergrund für Fotos mit unserem alten Roadster zu dienen. Die Fotos schossen wir dann auch und hielten uns in der autoüberfluteten Stadt nicht länger auf. Wir verließen die für uns viel zu hektische Innenstadt von Tours Richtung Orleans auf der N152, machten dann noch einige Abstecher in kleine Nebengebiete der Loire, wo wir dann endlich immer wieder auf die mächtigen weltberühmten Schlösser trafen. Ständig an der Straße Hinweisschilder und Einladungen zu Schlossbesichtigungen, zum Besuch der Schloßgärten und Anlagen. Bei der Stadt Ambiose, etwa 25 KM von Tours entfernt, fanden wir abseits der Nationalstraße im kleinen Dörfchen Chargé eine gute und günstige Übernachtungsmöglichkeit. Eine kleine optisch auch wunderschön am Berghang gelegene Chalet-Gruppe inmitten eines Weinbergs lud uns ein, wo wir dann auch freundlichst mit unserem alten Auto empfangen wurden und ein toll eingerichtetes Fremdenzimmer bezogen. Wir wollten noch etwas von der berühmten Altstadt von Amboise mit ihren noch gänzlich erhaltenen Stadtmauern und der riesigen Schloßanlage sehen und verstauten unser Gepäck im Zimmer um gleich nach einer erfrischenden Dusche loszufahren. Das Städtchen überraschte uns, denn entlang der Hauptstraße direkt an der Loire befanden sich die berühmten Straaßen-Cafés und es war allerhand los. Unseren Oldie stellten wir direkt an der Promenade von Amboise ab und sahen uns direkt von fotografierenden Menschen der verschiedensten Nationen umlagert. Wir zogen uns zurück ins nahe Straßen-Café in Sichtweite unseres Fahrzeugs, taten unseren Mägen etwas Gutes und konnten zudem das ganze Treiben im Zentrum beobachten. Später wanderten wir noch einige Stunden kreuz und quer durch die Altstadt und beteiligten uns am bunten Treiben auf den Einkaufsmeilen, die bis spät in die Nacht gut besucht waren. Es war spät geworden an diesem Abend, und müde waren wir auch von der stundenlangen Sonnenbestrahlung im offenen Roadster. Unsere Betten im "Chambres d`Hotes" bei >Mr. und Mme. Clerquin in Chargé direkt neben Amboise warteten auf uns.

Gut ausgeruht am nächsten Morgen hatten wir dann einen weiteren ganzen Tag, um die Loire-Schlösser im Gebiert zwischen den Städten Tours und Orleans aufzusuchen. Genau zu dieser Zeit fand dort überall das "8e festival international des jardins" statt, wobei die Gärten insbesondere des Schlosses Chaumont-sur-Loire, zwischen Amboise und Blois gelegen, den Höhepunkt dieser spektakulären "Gartenschau" darstellten. Wir konnten im dortigen Schlossgarten dann auch all das finden, was auf Bildern und Prospekten die letzten Tage von uns in Schaufenstern und Auslagen gesichtet wurde. Sensationelle Gartenkulturen, Obst- und Gemüseanbau in Formationen, in denen wir so was niemals zuvor gesehen hatten. Auch außergewöhnliche Baum- und Blumenkulturen waren kunstvoll in die Schlossgartenlandschaft integriert worden. Eben ein internationales Festival der Gärten. Auch die alten Schlossanlagen, übrigens sämtlich in einem fantastisch guten Zustand, faszinierten uns. Wir hätten eigentlich noch mehrere Tage dort bleiben müssen, und immer wieder hätten wir garantiert weitere schöne Schlossanlagen besichtigen können. Auch in den Dörfern und Stätten längs der Loire war gerade zu dieser Zeit überall so richtig was los. Bei wohligen Nachttemperaturen so um die 16-20°C wurden an den Promenaden der Loire von den Einheimischen und den vielen internationalen Besuchern die Nächte zu Tagen gemacht.

Wir hatten uns hauptsächlich auf Amboise und die dortigen Schlossanlagen konzentriert, da wir von den kleinen Ausflügen in der näheren Umgebung doch dann immer wieder hierher zurück kamen. So gingen die schönen 6 Tage in Frankreich dann leider langsam zu Ende. Noch einmal übernachteten wir in der herrlich gelegenen Anlage der Familie CLERQUIN  im nahen Chargé und packten dann frühmorgens nach einem guten Frühstück, von Monsieur Clerquin persönlich serviert, unseren Roadster. Ein Austausch von kleinen Geschenken zum Abschied und noch eine Rundfahrt durch Amboise an winkenden Touristen vorbei ließ uns dann doch die Heimreise antreten. Der 6. Tag war angebrochen, und wir hatten noch rund 600 KM bis nach hause zurückzulegen. Über Blois, die hervorragend ausgebaute N152 Richtung Orleans, ging´s zügig voran. Orleans umfuhren wir geschickt, um dort ein anders mal hinzufahren. Wir verließen dann das Gebiet der Loire, fuhren auf der N152 bis Pithiviers, dort eine geschickte Abkürzung bis Nemours. So langsam hatte man den Eindruck, in die Außenbezirke des nahen Paris zu gelangen. Und so war es auch. Überall die Hinweisschilder auf die Hauptstadt. Doch an Fontainebleau vorbei über Montereau ging´s nun durch die schöne Champagne. Eine herrliche Landschaft tat sich uns wieder auf, und bei strahlendem Sonnenschein suchten wir uns in der Mittagshitze einen kleinen Rastplatz in den Flußniederungen bei Monterau-Faut-Yonne zwischen der Yonne und der Saine. Die zuvor mitgenommene Verpflegung wurde auf einem im Wald gelegenen Rastplatz dann zum einfachen aber guten Mittagstisch mitten in der Natur. Übrigens, überall in Frankreich, wo wir in den 6 zurückliegenden Tagen Rastplätze entlang der Nationalstraßen aufsuchten, fanden wir saubere und einladende Ruheoasen mit rustikalen Tischen und Bänken, wo man auch ungestört etwas länger verweilen konnte.

Nach ausgiebiger Ruhe und einem Blick auf die Karte suchten wir eiligst wieder die Landstraße, um möglichst noch vor Anbruch der Nacht ins Saarland zurück zu kommen. Von Montereau-Faut-Yonne über die N411 bis Nogent, dann weiter auf die N951, dann N51 über Sézanne nach Charlons-En-Champagne. Am späten Nachmittag zog etwas Bewölkung auf, was wir seit 6 Tagen nicht erlebt hatten. Bei geschlossenem Verdeck verließen wir die Champagne Richtung Verdun über die N3 bis Metz. Dort hatten wir das Pech, dass eine große Bauerndemonstration der Franzosen uns nur den Weg durch die verstopfte Innenstadt ließ. Fast zwei Stunden hielten uns die französischen Bauern auf, so dass wir dann endlich, bereits in der Dunkelheit auf der N3 über Forbach, Goldene Bremm, Saarbrücken, nach hause kamen. Spät gegen 22 Uhr am 6. Reisetag kamen wir zurück und beendeten die Frankreich-Rundreise nach genau 2490 zurückgelegten Kilometern auf den sehr guten Straßen Frankreichs. Ohne jegliche Panne, zwar müde von der letzten Groß-Etappe über 600 KM, konnten wir und unser alter Roadster die Tour beenden. Viel erlebt, viel gesehen, toll gefahren mit stets offenem Verdeck bis zum letzten Tag, das alles zusammen war ein toller Spaß mit unserem Oldtimer, den wir eigentlich jedem einmal nahe legen wollen, der diese Möglichkeit ins Auge fasst. Insgesamt 248 Liter verbleiten französischen Sprit mussten wir durch die Auspuffanlage ohne Kat jagen. Teurer Sprit, 1999 schon 2,30 DM in Frankreich. Aber die "Bleibrühe" hat dem Motor eigentlich gut getan. Keine Mucken, keine Aussetzer, überhaupt, eine tolle Fahrt die gesamten 2490 Kilometer.

Frankreich in ähnlichem Rahmen soll es einmal wieder sein, so die ganz klare Feststellung von uns, die wir vor allem von der Gastfreundschaft der Franzosen begeistert waren. Die tollen Landschaften, die wir bei schönstem Cabrio-Wetter durchfuhren, die Superstraßen in Frankreich und die französischen Gerichte, natürlich auch der köstliche Wein und auch die günstigen Übernachtungsmöglichkeiten überall, das ist es, was Frankreich ausmacht.

Manchmal trinken wir ein Gläschen Roten oder auch einen Champagner und träumen so vor uns hin, wie es wäre, wenn wir jetzt einfach packen würden und eine ähnliche Tour durchs französische Nachbarland unternehmen würden. Wir tun´s garantiert eines Tages. Eigentlich laufen im Hintergrund bereits die heimlichen Vorbereitungen.

August 1999     Werner Hautz           
 

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